Eine Freundin erzählte mir neulich- noch ganz mitgenommen- von einer Situation, die sie in einer bekannten deutschen Drogeriemarktkette miterlebt hatte: Eine Mutter mit einem Säugling im Maxi Cosi und einem 3jährigen Kleinkind versuchte, in Ruhe ihre Einkäufe zu erledigen. Der 3jährige hatte fröhlich auf einem Pferd im hinteren Bereich des Ladens geschaukelt, doch als es an der Zeit war, den Laden zu verlassen, wollte er nicht mehr vom Pferd steigen und bekam einen massiven Wutanfall. Er fing an, lauthals zu schreien, warf sich auf den Boden und begann, wild um sich zu schlagen. Die Mutter versuchte ruhig, ihn zum Gehen zu bewegen und wurde immer hilfloser und gestresster als dies nicht gelang. Mittlerweile umringt von anderen Kund:innen und Müttern, deren Kinder zu diesem Zeitpunkt gerade keinen Wutanfall hatten und die sich bereits vielsagende Blicke zuwarfen. Irgendwie schaffte es die junge Frau schließlich, ihren brüllenden und strampelnden Sohn zu schnappen, ihre Einkäufe zu bezahlen und den Laden zu verlassen, Meine Freundin, die selbst gerade an der Kasse war, konnte ihr noch hinterhergehen und ihr am Auto beim Einladen helfen und etwas Zuspruch geben.
Ich glaube, wir alle kennen ähnliche Situationen, oder?
Die erste schmerzhafte Erfahrung dabei ist, dass niemand empathisch reagiert und hilft. Die zweite ist, dass andere uns beurteilen, es scheinbar besser machen und in uns das Gefühl von Unzulänglichkeit auslösen.
In diesen Momenten fragen wir uns: „Was mache ich falsch?“ oder „Warum können andere Mütter in Ruhe einkaufen, während mein Kind gerade durchdreht?“
Und plötzlich fühlst Du Dich wie die Einzige, die nicht in der Lage ist, ihre Kinder ruhig und entspannt durch den Alltag zu führen.
Die Wahrheit ist: Du machst nichts falsch!
Glaub mir: Die anderen Mütter kennen diese Situationen genauso gut wie Du – auch wenn es nach außen nicht so aussieht. In der Supermarkt-Situation ist wahrscheinlich jede einfach nur froh, dass es nicht ihr Kind ist, das da gerade so viel Aufmerksamkeit generiert. Dies soll keine Entschuldigung sein...
In einer Welt, in der uns ständig erzählt wird, wie wir alles richtig machen müssen, verlieren wir leicht den Blick dafür, dass es keine allgemeingültigen Lösungen im Umgang mit Kindern gibt. Was für die eine Familie funktioniert, kann bei einer anderen völlig anders sein. Jeder Moment, jede Situation ist einzigartig und viel zu komplex, als dass wir alles nach Schema F abhandeln könnten.
Meine Einladung an Dich
Wenn Du Dich in ähnlichen Momenten manchmal überfordert fühlst oder von der äußeren Welt verunsichert bist, denk daran: Du kennst Deine Familie am besten und weißt, was für Euch funktioniert!
Viel wichtiger als die „richtige“ Methode ist die Frage:
Was passt wirklich zu uns?
Was fühlt sich für uns richtig an, auch wenn andere es vielleicht anders machen?
Was brauchen wir, um uns als Familie wohl zu fühlen – unabhängig von den Blicken und Kommentaren von außen?
Wie können wir uns gegenseitig unterstützen, auch wenn andere denken, es gäbe eine bessere Lösung?
Und wäre es nicht auch so viel schöner, wenn wir Mütter solidarischer miteinander umgehen würden? Ein bisschen weniger urteilen und mehr füreinander da sein?
In dem Wissen, das jede ihr Bestes gibt und sie keine Loserin ist, wenn es mal nicht so gut funktioniert? Weil wir alle das nur zu gut kennen und es eben keine Patentrezepte gibt?
Lasst es uns mal versuchen!
